Schon 1947 hat Mercedes-Benz das Thema Lenkung im Auto neu gedacht: Als erster Hersteller verbauten die Schwaben eine "Sicherheitslenksäule". Bei einem Frontalaufprall klappt diese zusammen, um zu verhindern, dass das Lenkrad in den Innenraum gedrückt wird. Eine Bauweise, die sich zum Standard entwickelt hat und noch heute in jedem Auto zu finden ist. Oder zumindest: fast in jedem Auto. Denn als erster europäischer Hersteller bringt Mercedes-Benz ein "Steer-by-Wire"-System auf die Strasse. Es ist als Option im elektrischen EQS zu haben. Vereinfacht gesagt heisst das: Die klassische Lenksäule entfällt. Stattdessen wird der Lenkimpuls am Lenkrad durch die Elektronik an den Stellmotor an der Vorderachse - und in diesem Fall auch an die Hinterachslenkung - weitergegeben. Eine mechanische Verbindung gibt es nicht mehr. Dadurch ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. So kann das Lenkrad zum Beispiel deutlich kleiner ausfallen. Es ist auch nicht mehr rund, sondern rechteckig. Denn das bekannte Umgreifen ist nicht mehr nötig, der gesamte Lenkwinkel spielt sich nun auf nur mehr 170 Grad maximalem Drehwinkel ab. So fühlt sich das Auto deutlich handlicher an - und erfordert noch weniger Kraft am Lenkrad. Zudem sorgt das System dafür, dass ungewünschte Vibrationen und Schläge nicht mehr ans Lenkrad weitergegeben werden.
Direkt spürbar werden die Vorteile der neuen Lenkung bei einer ersten Testfahrt auf einem präparierten Parcours. Ob im engen Slalom oder in Stadt-Situationen, die normalerweise in einem grossen Auto wie dem EQS viel Lenkrad-Arbeit bedeuten, fühlt sich der Wagen um Welten handlicher an. Die"Übersetzung" der Lenkung wird dabei je nach Situation und Tempo angepasst, sodass der Wagen in der Stadt handlich, auf der Autobahn aber nicht zu nervös wirkt.

Und wie sieht es bezüglich Sicherheit aus? Hierfür hat Mercedes sämtliche wichtigen Komponenten doppelt verbaut, sodass das System komplett redundant funktioniert. Sogar eine eigene Stromversorgung für die Lenkung ist verbaut. Und: Im äussersten Notfall kann der Wagen über ESP-Eingriffe und die Hinterachslenkung ebenfalls die Richtung ändern. Das System ist also mindestens genauso ausfallsicher wie eine konventionelle Lenkung. Und: Wer sich nicht an das neue "Yoke" anstelle des konventionellen Lenkrades gewöhnen will, kriegt Steer-by-Wire auch mit rundem Lenkrad. Philipp Aeberli