Anzeige

Dem Innovationsstandort Sorge tragen

Gastbeitrag: Von Regine Sauter, Direktorin Zürcher Handelskammer und Nationalrätin (FDP)

Das Limmattal im Westen der Stadt Zürich – ein Wirtschaftsstandort mit Weitblick. Bild: Pfann

28.06.2022


Fortschritt war das Thema des diesjährigen LiZ-Forums der «Limmattaler Zeitung» am 22. Juni in Schlieren und ist es in der aktuellen Sonderausgabe «Wirtschaftsstandort Limmattal» der «Limmattaler Zeitung». Duden bezeichnet Fortschritt als «positiv bewertete Weiterentwicklung». Besser könnte man das nicht ausdrücken, denn Fortschritt war es, der die Schweiz und den Kanton Zürich zu dem gemacht hat, was sie heute sind. Aber können wir diesen Schwung auch in die Zukunft mitnehmen?

Dass die Schweiz heute fortschrittlich und innovativ ist, bestätigen verschiedene Topplatzierungen in internationalen Bewertungen. Die Schweiz verdankt diese Spitzenplätze einem idealen Ökosystem, das ein fruchtbares Zusammenwirken von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft ermöglicht. Im Kanton Zürich wurden etwa gezielt Investitionen in Lehre und Forschung getätigt, Möglichkeiten zur Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft geschaffen und Örtlichkeiten etabliert, an welchen aus Forschungsprojekten Unternehmen heranwachsen können. Aber auch ganz speziell das Limmattal wandelte sich in jüngster Vergangenheit immer mehr zu einem Hotspot für Fortschritt und Innovation. Die Industriebranchen, welche früher noch das Bild des Tals prägten, konnten erfolgreich umgenutzt werden, und die Region beheimatet inzwischen viele etablierte Unternehmen und zahlreiche Start-ups. In Schlieren ist gar ein national und international bedeutender Techno-Park mit 50 Firmen und 30 universitären Institutionen aus dem Life-Science-Bereich entstanden.

Innovation sichert Stabilität der Wirtschaft

Innovation und das Streben nach kontinuierlichem Fortschritt sind denn auch eine Notwendigkeit für die Schweiz und Zürich. Im Gegensatz zu anderen Regionen der Welt verfügen wir über keine speziellen natürlichen Ressourcen. Der Absatzmarkt im Inland ist klein und Schweizer Unternehmen müssen sich dementsprechend auf dem Weltmarkt behaupten. Hohe Lohnkosten und Immobilienpreise belasten die Wirtschaft zusätzlich. Die Schweiz und Zürich müssen sich also durch kluge und innovative Ideen von der Konkurrenz abheben. Nur so können Arbeitsplätze erhalten und neu geschaffen, die Stabilität in Krisen gewährleistet und letztendlich der Wohlstand gesichert werden.

Stehenbleiben ist keine Option

Der Innovationsfähigkeit der Schweiz und von Zürich müssen wir daher Sorge tragen. Zeit, um uns auf die Schulter zu klopfen und uns auf den guten Resultaten auszuruhen, haben wir keine. Bereits gibt es erste Anzeichen dafür, dass andere Wirtschaftsstandorte aufholen. So zeigen Auswertungen für die letzten zehn Jahre klar einen Rückgang der Innovationsbemühungen und den Verlust des Vorsprungs, insbesondere bei KMU. Auch das Wirtschaftsmonitoring des Kantons Zürich mit Fokus auf die Innovationskraft zeigt, dass es noch «Luft nach oben gibt». Handlungsbedarf besteht beispielsweise bei der Effizienz der Forschungsausgaben, der Verfügbarkeit von Arbeitskräften, der Besteuerung von Unternehmen oder der Digitalisierung der Behördenabläufe. Hier gilt es anzusetzen, wenn wir uns auch in Zukunft positiv weiterentwickeln wollen.

Dr. Regine Sauter Direktorin Zürcher Handelskammer und Nationalrätin

Dem Innovationsstandort Sorge tragen Image 1

Dr. Regine Sauter ist seit 2012 Direktorin der Zürcher Handelskammer, einem branchenübergreifenden Wirtschaftsverband, der die Interessen der Unternehmen in den Kantonen Zürich, Zug und Schaffhausen vertritt. Sie studierte an der Hochschule St. Gallen Staatswissenschaften und promovierte 1995 mit einer Dissertation im Bereich Datenschutzrecht. Nach ersten beruflichen Erfahrungen absolvierte sie 2002 ein executive MBA in St. Gallen und den USA. Regine Sauter ist seit langem politisch engagiert, von 2004 bis 2015 war sie Kantonsrätin, seit 2015 ist sie Nationalrätin für den Kanton Zürich (FDP); ihre Schwerpunkte sind Wirtschaftsfragen sowie die Sozial- und Gesundheitspolitik. Daneben hat sie Einsitz in Verwaltungsräte und kulturelle Einrichtungen, zudem vertritt sie die Handelskammer u. a. im Geschäftsführerausschuss von economie-suisse und im Stiftungsrat der Greater Zurich Area.